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Sports, SV Waldhof 29. August 2019

Von der Doppelmoral der Medien vor dem Derby

Als eingefleischter Waldhof-Fan, der seit mittlerweile fast 20 Jahren — wenn auch seit einigen Jahren als Fotograf — Woche für Woche ins Stadion pilgert, freue ich mich spätestens seit der Veröffentlichung des diesjährigen Drittliga-Spielplans wie ein kleines Kind auf das Derby gegen den 1. FC Kaiserslautern. Auf den „Erzfeind“, dem der Waldhof erstmals seit 22 Jahren wieder in einem Liga-Spiel gegenüber steht. Darf man diesen Fußball-Jargon in der heutigen politisch korrekten Welt überhaupt noch benutzen, ohne einen Shitstorm auszulösen?

Der große Teil beider Fanlager ist sehr wohl im Stande, zwischen Ernst und den typischen Provokationen im Vorfeld eines solchen Spiels unterscheiden zu können. Immerhin konnte man das 22 Jahre lang nicht mehr ausleben, mal vom Pokalspiel im Jahr 2001 abgesehen. Das Sticheln des Arbeitskollegen gehört dazu, die Freude auf’s Büro am Montag danach, wenn man gewonnen hat und das Loch, in das man sich am liebsten verkriechen würde, wenn man verloren hat. Hier und da wird die Grenze des guten Geschmacks überschritten, seien es pietätlose Gesänge über Nationalhelden, das Beschmieren der Stadteinfahrt mit den Vereinsinitialen, das Zerstören eines Denkmals, Gewaltandrohungen besoffener Proleten, usw.

Aber einige vergessen dabei: Das ist Derby! Man muss diese Aktionen nicht gut finden und auch nicht entschuldigen, aber das ist kein typisches Waldhof-Phänomen, zu dem es dieser Tage zahlreiche Medien machen!

Wenn der Waldhof kommt…

Von „Angst unter den Spieler-Frauen“ schreibt die Klatsch-Presse, angeblich seriöse Tageszeitungen schreiben davon, dass die Polizei mit besonders vielen Einsatzkräften vor Ort sei, „wenn der Waldhof kommt“. Andere wiederum schreiben in ihren Überschriften von den „Problemen der Polizei mit Waldhof-Fans“, um im Artikel selbst darüber aufzuklären, dass diese mit dem bisherigen Saison-Verlauf äußerst zufrieden ist, die größten Sorgen bei der Verkehrsführung hat und es außer ein paar normalen Zwischenfällen, wie bei anderen Großveranstaltungen ebenfalls üblich, keinerlei Vorkommnisse gab. Beide Vereine rufen dazu auf, ihre Mannschaften mit Herzblut anzufeuern, dass Sticheleien selbstverständlich auch dazu gehörten. Und die Medien, die vorgeben, ein großes Interesse an einem friedlichen Fußball-Fest zu haben, gießen unentwegt Öl ins Feuer mit unterschwelligen Provokationen. Tägliche Appelle von unbekannten Moderatoren an die Fanlager, nahezu stündliche Berichterstattung, woher die Rivalität zwischen FCK und SVW überhaupt kommt.

Immer mehr gewinne ich den Eindruck, als stünden die Überschriften für die Nachberichterstattung schon längst fest. Alles andere wäre für die Verkaufs- und Klickzahlen eine herbe Enttäuschung.

Das musste ich einfach mal los werden, denn die letzten Tage nagen wirklich an meinen Nerven. Die Warterei auf dieses Spiel ist schon schlimm genug, aber die Medienberichte setzen dem Ganzen noch die Krone auf.

Ich persönlich freue mich, erstmals vor einer solchen Kulisse fotografieren zu dürfen. Über 35.000 Zuschauer werden im Fritz-Walter-Stadion erwartet, darunter wahrscheinlich 6.000 aus Mannheim. Und ich hoffe, dass sich niemand aufstacheln lässt, dass der blau-schwarze Anhang die »Buwe« zum Sieg brüllt und danach alle friedlich und gut gelaunt den Rückweg nach Mannheim antreten. Ganz nach dem Motto: Haltet euren Club in Ehren!

SV Waldhof Mannheim gegen Eintracht Frankfurt

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