Geht es tatsächlich noch um den Fußball?

Geht es tatsächlich noch um den Fußball?

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Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) droht den Vereinen, die Hälfte der Vereine droht dem Verband, die andere Hälfte den Vereinen, die einen Abbruch befürworten. Das Wesentliche hat man dabei längst aus den Augen verloren: Den Fußball!

Gestern starteten die 36 Erst- und Zweitligisten in das Abenteuer Geisterspiele. Es fielen massig Tore, unter anderem beim Revierderby zwischen Borussia Dortmund und dem FC Schalke 04 (4:0). Aber ohne Fans ist es nicht das Gleiche. Bei der ganzen Vehemenz, mit der die Deutsche Fußball-Liga (DFL) und der DFB die Politik unter Druck setzten, um eine Fortführung der Saison regelrecht zu erzwingen, fragt man sich, welchen Stellenwert der Fan, der Woche für Woche ins Stadion pilgert, überhaupt noch hat. Denn dieser wurde von den beiden Verbänden nahezu nie erwähnt, außer dann, wenn es darum ging, dass es bitter sei, vor leeren Rängen zu spielen, aber man schweren Herzens diese bittere Pille schlucken wolle. Glaubhaft klang das zu keinem Zeitpunkt. Der singende, Bier trinkende Fan auf dem Stehplatz, der am Wochenende den Alltag vergessen will, ist längst nur noch Beiwerk eines großen Industriezweigs und absolut verzichtbar.

Viel wichtiger ist es stattdessen, die von DFB-Direktor Oliver Bierhoff bereits nach der Katastrophen-WM genannten Stakeholder zufrieden zu stellen. Es geht um Millionen, die ohne Missachtung der gesellschaftlichen Verantwortung entweder nicht fließen würden oder gar zurückzuzahlen wären. Für einige Bundesligisten, die bereits Geld verplant hatten, das sie noch gar nicht besaßen, wäre das das Aus.

Was in den ersten beiden Profi-Ligen mit einer großen Portion Wehmut, dass die Fußball-Romantik längst der Vergangenheit angehört, noch teilweise nachvollziehbar scheint, wirkt bei der Diskussion rund um die 3. Liga allerdings mehr als grotesk. Da fordert der DFB die Vereine auf, sich Gedanken darüber zu machen, wie sie im Falle eines Abbruchs mögliche finanzielle Schadenersatzforderungen bezahlen wollen. Man gibt der Politik hinter vorgehaltener Hand zu verstehen, dass man Vereinen die Lizenz möglicherweise entziehen würde, sollten die Bundesländer nicht ihr Einverständnis zur Fortsetzung geben. Vereine werden medial bloßgestellt, Vermutungen angestellt, weil die Verbandsspitze nicht in der Lage ist, klar formulierte Beschlüsse der Politik richtig zu deuten. Vereine sollen bereits Geld für ein Hygienekonzept investieren, ohne zu wissen, ob die Saison von Seiten der Politik fortgesetzt werden darf.

Und was der Verband mit seinem abermals tollpatschigen öffentlichen Auftritt befeuert hat, setzen Befürworter und Gegner eines vorzeitigen Abbruchs nun fort. Da äußern sich Vereinsoffizielle im Stundentakt durch die Klatschpresse über andere Vereine, alles wird zum x-ten Mal durchgekaut und die Argumente der Gegenseite gar nicht erst zur Kenntnis genommen. Und auch Spieler mischen sich ein, werfen sich gegenseitig Egoismus vor, um nur einen Satz später von ihren egozentrischen Argumenten Gebrauch zu machen.

Dabei geht es nicht mehr um die Sache. Während sich die Bevölkerung weiterhin an strenge Regeln zu halten hat, kocht der DFB sein eigenes Süppchen. Auf der einen Seite gibt es Vereine, die von einem Abbruch sportlich profitieren würden, auf der anderen Seite sind die Clubs, die sämtliche Gesundheitsrisiken in Kauf zu nehmen bereit sind, nur um sich an den Aufstiegsstrohhalm zu klammern. Und dann ist da noch ein Verband, der nur darauf aus ist, seinen Kopf irgendwie noch aus der Schlinge zu bekommen und möglichst wenig finanziellen Schaden zu erleiden. An die Menschen, egal ob Vereinsmitarbeiter, Spieler oder Fans, die den Fußball eigentlich ausmachen, denkt offensichtlich niemand mehr.

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